Der Bestellerkredit - detaillierte Erklärung


Wie funktioniert der ungedeckte Bestellerkredit?

 

  • Exporte in Länder mit stabilen Verhältnissen (100% Finanzierung)
  • Exporte in Entwicklungs‐ und Schwellenländer mit instabilen Verhältnissen (15% des Auftragswertes)

 

Für Exporte in Länder mit stabilen wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen, also Länder mit einem sogenannten Investment Grade (i.d.R. OECD‐ und weitentwickelte Schwellenländer) werden Bestellerkredite i.d.R. ohne eine staatliche Exportkreditversicherung abgeschlossen (100% Finanzierung).

Für Exporte in Entwicklungs‐ und Schwellenländer mit instabilen wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen (also Länder mit einen sogenannten Non Investment Grade) wird häufig auch eine An- und Zwischenzahlung (15% des Auftragswertes) gewünscht. Auch hier kommt das „commercial loan“ gut zum Einsatz, sofern die Bank das erhöhte Risiko übernehmen möchte.

Die Funktionsweise des ungedeckten Bestellerkredits ist im Schaubild 2a erläutert:

(1) Liefervertrag zwischen dem deutschen Exporteur und dem Importeur (Kreditnehmer/Besteller). Sie als Exporteur erwerben damit eine Forderung, deren Bezahlung Sie dem Besteller zunächst stunden.

(2) Kreditvertrag (Bestellerkredit bzw. „commercial loan“) zwischen dem Importeur und der Bank des Exporteurs zur Finanzierung der im Liefervertrag vereinbarten Lieferungen und Leistungen.

(3) Besteller stellt Ihnen als Exporteur und der Bank Sicherheiten, sofern die Bonität des Bestellers nicht ausreichend ist. Dies ist im Regelfall
(i) eine Zahlungsgarantie, abgegeben von einer erstklassigen ausländischen Bank (in der Regel einer Bank im Bestellerland) oder
(ii) einer lokalen Regierungsbehörde (bei öffentlichen Ausschreibungen). Sie dient zur Besicherung der Forderungen der Bank des Exporteurs gegenüber dem Importeur aus dem Kreditvertrag.

(4) Ihre Bank zahlt den Kreditbetrag für Rechnung des Bestellers an Sie als Exporteur aus; damit erlischt Ihre Lieferforderung. Der Besteller (Kreditschuldner) tilgt und verzinst den Bestellerkredit während der Kreditlaufzeit.

 

Wie funktioniert der ECA‐gedeckte Bestellerkredit?


Im Falle eines ECA‐gedeckten Bestellerkredits (85% des Auftragswertes) ergeben sich in der Regel folgende vertragliche Beziehungen zwischen den beteiligten Parteien (siehe Schaubild 2b):

(1) Liefervertrag zwischen dem deutschen Exporteur und dem Importeur (Kreditnehmer). Sie als Exporteur erwerben damit eine Forderung, deren Bezahlung Sie dem Besteller im Rahmen eines Liefervertragskredits zunächst stunden.

(2) Kreditvertrag zwischen dem Importeur und der Bank des Exporteurs zur Finanzierung der im Liefervertrag vereinbarten Lieferungen und Leistungen.

(3) Besteller stellt Ihnen als Exporteur und der Bank Sicherheiten, sofern die Bonität des Bestellers nicht ausreichend ist. Dies ist im Regelfall eine Zahlungsgarantie, abgegeben von einer erstklassigen ausländischen Bank (in der Regel einer Bank im Bestellerland) oder einer lokalen Regierungsbehörde (bei öffentlichen Ausschreibungen). Sie dient zur Besicherung der Forderungen der Bank des Exporteurs gegenüber dem Importeur aus dem Kreditvertrag.

(4) ECA‐Deckung für die Zahlungsansprüche des Exporteurs aus seinem Liefervertrag. In vielen Fällen sichert der Exporteur zusätzlich seine Fabrikationsrisiken durch eine ECA‐Deckung ab.

 

(5) ECA‐Finanzkreditdeckung für die Forderungen der Bank des Exporteurs aus ihrem Kreditvertrag mit dem ausländischen Besteller. Sofern der Exporteur keine Deckung seiner Ausfuhr‐ und Fabrikationsrisiken beantragt, kann die ECA‐Finanzkreditdeckung auch isoliert gewährt werden.

(6) Von Ihnen als Exporteur gegenüber Ihrer Bank in Deutschland abzugebende Exportgarantie. Diese beinhaltet im Kern für Sie als Exporteur folgende Verpflichtungen:


Ihre Bank zahlt den Kreditbetrag auf Rechnung des Bestellers an Sie als Exporteur aus; damit erlischt Ihre Lieferforderung. Der Besteller (Kreditschuldner) tilgt und verzinst den Bestellerkredit während der Kreditlaufzeit.

 

Wie werden An‐ und Zwischenzahlungen finanziert?
 

Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, auch die An‐ und Zwischenzahlungen für Entwicklungs‐ und Schwellenländer separat zu finanzieren. Auf diese Weise können Sie zusammen mit dem gedeckten Bestellerkredit über 85% des Auftragswertes eine 100%ige Finanzierung realisieren. Hierfür bieten sich folgende Varianten an:

 

Vorteile für Sie als Exporteur:

 

Nachteile:

 

Machen Sie sich mit den verschiedenen Finanzierungsformen vertraut

Immer wichtiger für den Erfolg Ihres Exportgeschäftes wird die Bereitstellung passgenauer Finanzierungskonzepte. Informieren Sie sich daher umfassend auf unserer GoFinex‐Seite über die Vor‐ und Nachteile verschiedener Finanzierungsformen. Nur mit dem nötigen Hintergrundwissen können Sie mögliche Risiken schon bei der Geschäftsanbahnung erkennen, auf Augenhöhe mit auf die Exportfinanzierung spezialisierten Banken sprechen und schließlich die für Sie attraktivste Finanzierungsform wählen.

 

Wie funktioniert ein Bank‐zu‐Bank‐Kredit mit ECA‐Deckung?

Die Funktionsweise des Bank-zu-Bank-Kredits ist in der nebenstehenden Grafik erklärt:
(1) Liefervertrag zwischen dem deutschen Exporteur und dem Importeur (Kreditnehmer). Sie als Exporteur erwerben damit eine Forderung, deren Bezahlung Sie dem Besteller zunächst stunden.

(2) Kreditvertrag zwischen dem Importeur und der Bank des Exporteurs zur Finanzierung der im Liefervertrag vereinbarten Lieferungen und Leistungen.

(3) Besteller stellt Ihnen als Exporteur und der Bank Sicherheiten, sofern die Bonität des Bestellers nicht ausreichend ist. Dies ist im Regelfall
(i) eine Zahlungsgarantie, abgegeben von einer erstklassigen ausländischen Bank (in der Regel einer Bank im Bestellerland) oder
(ii) einer lokalen Regierungsbehörde (bei öffentlichen Ausschreibungen). Sie dient zur Besicherung der Forderungen der Bank des Exporteurs gegenüber dem Importeur aus dem Kreditvertrag.

(4) ECA‐Deckung für die Zahlungsansprüche des Exporteurs aus seinem Liefervertrag. In vielen Fällen sichert der Exporteur zusätzlich seine Fabrikationsrisiken durch eine ECA‐Deckung ab.

(5) ECA‐Finanzkreditdeckung für die Forderungen der Bank des Exporteurs aus ihrem Kreditvertrag mit dem ausländischen Besteller. Sofern Sie als Exporteur keine Deckung Ihrer Ausfuhr‐ und Fabrikationsrisiken beantragen, kann die ECA‐Finanzkreditdeckung Ihrer Bank in Deutschland auch isoliert gewährt werden (sog. „Isolierte Finanzkreditdeckung“).

(6) Von Ihnen als Exporteur gegenüber Ihrer Bank in Deutschland abzugebende Exportgarantie. Diese beinhaltet im Kern für Sie als Exporteur folgende Verpflichtungen:

 

(7) Der Darlehensvertrag zwischen der Bank des Exporteurs und der ausländischen Bank oder der staatlichen Finanzinstitution und

(8) Eine vertragliche Vereinbarung zwischen der ausländischen Bank bzw. der staatlichen Finanzinstitution und dem ausländischen Besteller über die Bedingungen der Weitergabe des Kredits der Bank des Exporteurs. Auf die Gestaltung dieser vertraglichen Vereinbarung nimmt die Bank des Exporteurs keinen Einfluss. Auch sind der Bank des Exporteurs die Bedingungen der Weitergabe des Kredits durchweg nicht bekannt und für sie auch nicht von Bedeutung. Bei Bank‐zu‐Bank‐Krediten kann in der Regel auf die Zahlungsgarantie einer ausländischen Institution (Ziffer 3 des obigen Schaubildes) verzichtet werden.


Wie flexibel können Bestellerkredite eingesetzt werden?
 

Die nachfolgende schematische Übersicht räumt mit dem Vorurteil auf, dass Bestellerkredite nur für Schwellen‐ und Entwicklungsländer (Fall V) zum Tragen kämen und hier nur in Verbindung mit einer staatlichen Exportkreditversicherung. Dies ist eine sehr grobe Vereinfachung und entspricht nicht der Realität.

Tatsache ist, dass Bestellerkredite in allen fünf nachfolgend skizzierten Fällen zum Einsatz kommen können, d.h. selbst in OECD‐Ländern, sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.

Richtig ist aber, dass Bestellerkredite in erster Linie für Schwellen‐ und Entwicklungsländer (Fall V) und in zweiter Linie für ausgewählte Entwicklungs‐ und Schwellenländer zur Finanzierung der 15% An‐ und Zwischenzahlung (Fall III) anzutreffen sind. Letztlich hängt es sehr stark vom Risikoappetit der jeweiligen Bank und den regulatorischen Vorgaben der Bankenaufsicht ab, welche der 5 Varianten am Ende des Tages zum Tragen kommen.

a) Vertragsstruktur bei ECA‐gedeckten Bestellerkrediten (Fälle IV und V)

siehe oben bei "Wie funktioniert der ECA-gedeckte Bestellerkredit?"

 

b) Vertragsstruktur bei ungedeckten Bestellerkrediten (commercial loans) d.h. Fälle I, II und III

siehe oben bei "Wie funktioniert der ungedeckte Bestellerkredit?"