Wozu dienen Exportkreditversicherungen?


Exportkreditversicherung, auch Ausfuhrversicherung oder Exportrisikoversicherung genannt, ist die Sammelbezeichnung
für verschiedene Versicherungen. Sie sollen die Risiken des Ausfalls von Forderungen aus Lieferungen und Leistungen
absichern.

In Entwicklungs‐ und Schwellenländern ist eine Exportversicherung (Hermesdeckung) regelmäßig eine zwingende Voraussetzung für das
Zustandekommen einer Finanzierung (Bestellerkredit) oder den Ankauf von Forderungen aus Lieferantenkrediten (Forfaitierung). Die Gesamtkosten für einen versicherten Kredit sind trotz der zusätzlichen Kosten für die Versicherung meist
geringer als die Gesamtkosten, die ein Importeur für einen „ungedeckten“, also nicht versicherten Kredit in seinem Heimatland zahlen würde. Zusätzlich sind meist längere Kreditlaufzeiten möglich. In Entwicklungsländern mit
eher instabilen politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen kommt eine Finanzierung ohne eine Exportkreditversicherung
oftmals überhaupt nicht zustande.

Warum ist dies so? Über eine staatliche Exportkreditversicherung wird letztlich das schlechte Rating eines Schwellen‐ oder
Entwicklungslandes (z.B. S&P „B“) durch das gute Rating einer OECD Exportkreditversicherung ersetzt. Auf diese Weise
können Banken für einen Kredit mit einer ECA Deckung deutlich attraktivere Kreditkonditionen gewähren. Die
Exportkreditversicherung des Bundes, Euler Hermes, hat beispielsweise ein exzellentes AAA Rating, nämlich das der
Bundesrepublik Deutschland.

Exportorientierte Staaten wie Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Japan, Südkorea, China, um nur einige Beispiele
zu nennen, haben ein Interesse daran, dass Exporteure, welche als Lieferanten eine Gläubigerfunktion ausüben, ihre Güter
und Dienstleistungen störungsfrei ausführen können. Sie bieten daher im Interesse ihrer Ausfuhrwirtschaft staatliche
Exportkreditversicherungen zur Absicherung sowohl wirtschaftlicher als auch politischer Risiken an.

Die Staaten bedienen sich zur Absicherung dieser besonderen Risiken zumeist eigenständig organisierter
Exportkreditversicherer (sog. export credit agencies, ECA), die eine Garantie oder Bürgschaft des Staates lieferbezogen
vergeben. Dies sind versicherungsähnlich organisierte Agenturen, die konkrete Exportgeschäfte garantieren
(d.h. „in Deckung nehmen“).

Exportkreditversicherungen unterliegen einem internationalen Regelwerk, dem sogenannten OECD-Konsensus. Er ist
geschaffen worden, um ein gegenseitiges Unterbieten der staatlichen Fördersysteme zu verhindern.

Die wichtigsten Regelungen betreffen:


Die Zahlungsbedingungen:

 

Die Höchstkreditlaufzeiten:

 

Den Beginn der Rückzahlung (sog. „Starting Point“)

Die Mindestzinssätze

Die Sonderregelungen für

 

Staatliche Exportkreditversicherungen sichern Risiken im Außenhandel ab, die der private Versicherungs‐ und oder
Bankenmarkt nur eingeschränkt übernehmen kann oder möchte. Sie sind besonders geeignet für Kredite
mit längeren Laufzeiten. Sie werden auch gebraucht, wenn größere Kreditbeträge für Besteller in Entwicklungs‐ und
Schwellenländern mobilisiert werden müssen. ECA‐Deckungen werden im Auftrag und auf Rechnung des Staatsbudgets
abgegeben. Sie unterliegen in Deutschland der Zuständigkeit des Wirtschaftsministeriums („BMWi“).

Die Verwaltung der ECA‐Deckungen unterliegt jedoch meistens einer privaten Versicherungs‐ oder
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. In Deutschland ist die Bearbeitung aller staatlichen Ausfuhrgewährleistungen der Euler
Hermes Aktiengesellschaft als Mandatar des Bundes übertragen, weshalb die Ausfuhrgewährleistungen des Bundes im
Allgemeinen als Hermesdeckungen bekannt sind.

Die Durchführung und die Finanzierung des deutschen Exports sind primär dem freien Marktgeschehen überlassen. Das 
Kerninstrument und damit der bedeutendste Beitrag öffentlicher Förderungen der deutschen Ausfuhr ist das sogenannte
Gewährleistungssystem des Bundes zur Absicherung von Risiken im Zusammenhang mit Ausfuhrgeschäften und damit
verbundenen Finanzierungen.

 

Neben der Deckung einzelner Geschäfte bestehen verschiedene Angebote für die einfache, unkomplizierte Absicherung von mehreren Exportgeschäften zur Verfügung.
Diese werden als sogenannte Sammeldeckungen bezeichnet.