Wie können KMU ihren Auslandskunden eine attraktive Exportfinanzierung anbieten?


Die Herausforderung

Um international wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Exporteure ihren Auslandskunden zusammen mit dem Produkt auch attraktiven Zahlungsbedingungen, also eine möglichst maßgeschneiderte, langfristige Finanzie­rung aus einer Hand anbieten können. Die Kunden verlangen häufig Finanzierungslaufzeiten von mehre­ren Jahren.

Für kleinere Auftragswerte (i.d.R. unterhalb von € 5 Mio.) bieten die meisten Banken keinen Bestellerkredit an.

Viele KMU möchten ihren Auslandskun­den daher gerne einen sog. Lieferantenkredit anbieten. Oft stellen sie bei näherer Betrachtung aber fest, dass nicht genügend Eigenmittel für eine solche Kreditvergabe vorhanden sind.

Gesucht wird daher eine Finanzierungsalternative, die Handlungsspielraum für weiteres Wachs­tum gewährleistet und die bestehenden Kreditlinien nicht über einen längeren Zeitraum mit weni­gen Aufträgen blockiert.

Wie könnte eine geeignete Finanzierungs- und Absicherungsstrategie für KMU aussehen?

 

Forfaitierungslösung

Die Forfaitierung umfasst den regresslosen Verkauf der gesamten Forderungen aus dem Exportge­schäft (mit dem Importeur vereinbarte ratierliche Zahlungen) an eine Bank oder spezialisierte Forfaitierungsgesellschaft; bei einem eventuell spä­ter eintretenden Nichtzahlungsfall des Importeurs kann kein Rückgriff mehr auf den Expor­teur erfolgen. Der Exporteur erhält sofort den um die Forfaitierungskosten geminderten Barwert der Kaufpreisraten. Aus dem Lieferantenkredit wird aus Sicht des Exporteurs ein Bargeschäft. Der Exporteur bleibt aber auch nach Verkauf der Forderung für deren rechtlichen Bestand und den ordnungsgemäßen Ablauf des Liefergeschäfts verantwortlich.

Für Exporte in Entwicklungs- und Schwellenländer ermöglicht erst die Lieferantenkreditdeckung des Bundes (Absicherung der politischen und wirtschaftlichen Risiken) den Forderungsverkauf und führt zu attraktiven Finanzierungs- und Forfaitierungskonditionen. Deshalb sollten Exporteure parallel zu den Liefervertragsverhandlungen die Lieferantenkreditdeckung bei Euler-Hermes beantragen. Hierbei ist es wichtig, von Beginn an die Absenkung des Selbstbe­halts für die wirtschaftlichen Risiken auf 5% zu beantragen. So kann das wirtschaftliche Eigen­tum an den Forderungen später tatsächlich vom Exporteur auf die Bank bzw. Forfaitierungsgesellschaft über­gehen („True Sale“) und die Bilanz des Exporteurs entlastet werden. Es ist auch sinnvoll, die Vertragsgestaltung auf der Grundlage der anzuwendenden Bilanzierungsstandards mit dem Wirt­schafts­prüfer oder Steuerberarter zu besprechen, damit dieser den True Sales anerkennt.

Per Saldo ist ein Lieferantenkredit mit Forfaitierung eine sehr gute Lösung für Auftragsvolumen, die für Bestellerkredite zu gering sind.


Vorteile für Sie als Exporteur:


Nachteile:

 

 

[1] Voraussetzung für einen „True Sale“ ist, dass das wirtschaftliche Eigentum an der Forderung auf die Bank übergeht. Voraussetzung dafür ist, dass die Bank das Forderungsausfallrisiko übernimmt, d.h. dass das Bonitätsrisiko ganz überwiegend auf den Käufer übergehen muss. Diese Prüfung und Beurteilung des Einzelfalls obliegt letztendlich dem Wirtschaftsprüfer oder Steuerberater auf Grundlage der jeweils anwendbaren Bilanzierungsstandards.