Welche Finanzierungsinstrumente sind für die mittel- und langfristige Exportfinanzierung gängig?

 

Finanzierungen mit Laufzeiten von über einem Jahr fallen in den Bereich der mittelfristigen (1-5 Jahre) und langfristigen (> 5 Jahre) Exportfinanzierung. Angesichts des längeren Zahlungszieles sind die Risi­ken der Außenhandelsfinanzierung hier besonders ausgeprägt, da sowohl die wirtschaftliche Entwick­lung des Unternehmens als auch die politische Situation des Ziellandes über lange Zeiträume hin nur schwer prognostizierbar sind (siehe „Welche Risiken müssen beachtet werden“). Daher werden Exportkredite häufig mit einer zusätzlichen Absicherung versehen (siehe u.a. „Wie können Außenhan­dels­geschäfte abgesichert werden“).

Um international wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Exporteure neben einem guten Produkt häu­fig auch eine attraktive Finanzierung anbieten. Zu den wichtigsten Finanzierungsinstrumenten zählen der

 

1. Lieferantenkredit („Supplier Credit“) ohne ECA-Deckung

Beim Lieferantenkredit räumt der Exporteur seinem ausländischen Besteller ein Zahlungsziel ein, ohne dass eine Bank zwischengeschaltet ist. Das Einräumen eines Lieferantenkredits setzt voraus, dass Sie als Ex­porteur über eine ausreichend starke Bilanz sowie Liquidität verfügen, um auf die Rückzahlung entsprechend warten zu können. Da weitere Sicherheiten in der Regel nicht gegeben sind, bleibt der Eigentumsvorbehalt in der Regel Ihre einzige Sicherheit, d.h. Sie bleiben solange Eigentümer der Liefe­rung, bis die Schuld vollständig beglichen wurde (Achtung: in unterschiedlichen Ländern unterschiedliche formale Anforderungen für dessen Wirksamkeit). Darüber hinaus müssen Sie sich selbst um die Kredit­überwachung und das Inkasso kümmern und dafür eigene Ressourcen einsetzen. Dabei stellt sich die Frage, ob bei Ihnen genügend Eigenmittel für eine solche Kreditvergabe vorhanden sind oder ob Sie eine Refinanzierung benötigen.

Der Lieferantenkredit wurde über lange Jahre besonders im Kurzfristbereich stark genutzt. Inzwischen wird er zunehmend auch im Mittel- und teilweise auch Langfristbereich eingesetzt. Er kommt vor allem dort zum Tragen, wo der geringere Liefer- und Leistungsumfang einen Bestellerkredit nicht zu­lässt (meist unterhalb von € 5 Mio.) bzw. sich weitere Alternativen wie z.B. Leasing nicht ergeben oder aber schlicht eine zeit­lich schnellere Lösung im Vordergrund steht.


Vorteile für Sie als Exporteur:
 

 

Nachteile:
 

 

Der übliche Eigentumsvorbehalt deckt nicht alle Risiken ab.

Ihre Bilanzkennzahlen verschlechtern sich, was sich wiederum negativ auf Ihr „Rating“ auswirkt. Dies wiederum kann Banken veranlassen, Ihnen schlechtere Kreditkonditionen zu gewähren.

 

2. Lieferantenkredit mit Forfaitierung („Forfaiting“)


Um die eigene Bilanz und das Forderungsmanagement zu entlasten, sowie Spielraum zur Finanzierung neuer Geschäfte zu schaffen, kann die Forfaitierung sinnvoll sein. Diese umfasst die regresslose Abtre­tung der gesamten Forderung aus dem Exportgeschäft einschließlich der Rechte und Ansprüche einer etwaigen Kreditversicherung an eine Bank oder spezialisierte Forfaitierungsgesellschaft; bei einem eventuell später eintretenden Nichtzahlungsfall des Importeurs kann kein Rückgriff mehr auf den Expor­teur erfolgen. Im Gegenzug und unter Abzug der Forfaitierungskosten erhält der Exporteur den Barwert des Kaufpreises. Aus dem Zahlungsziel-Geschäft wird aus Sicht des Exporteurs ein Barge­schäft. Der Exporteur bleibt aber auch nach Abtretung der Forderung für deren rechtlichen Bestand und den ordnungsgemäßen Ablauf des Liefergeschäfts verantwortlich. Von der Bonität des Impor­teurs/Schuldners sowie des Schuldnerlandes hängt ab, ob der Abschluss einer Kreditversicherung (pri­vat oder staatlich) erforderlich ist, damit eine Forderung forfaitiert werden kann. Vielfach erwarten Banken die Hermesdeckung.

 

Vorteile für Sie als Exporteur:
 

 

Nachteile:

 

3. Bestellerkredit („Buyer Credit“)
 

Finanz- oder Bestellerkredite sind eine attraktive Möglichkeit für die mittel- bis langfristige Exportfinanzierung. Aufgrund ihrer Komplexität eignen sie sich jedoch eher für größere Transaktio­nen. Kreditnehmer sind ausländische Käufer (Besteller). Dabei gewährt die Bank des Exporteurs dem ausländischen Besteller oder dessen Hausbank (dann spricht man vom sog. Bank-zu Bank-Kredit) ein Darlehen. Dieses Darlehen wird an den Exporteur ausgezahlt und vom Importeur bedient. Der Bestellerkre­dit ist immer an eine Lieferung und/oder Leistung gebunden; darum spricht man auch häufig von einem gebundenen Finanzkredit.
 

Für Exporte deutschen Ursprungs in Entwicklungs- und Schwellenländer werden Bestellerkredite in der Regel mit einer Exportkreditversicherung des Bundes (Hermesdeckung) abgesichert („gedeckte Bestellerkredite“). Für OECD-Länder und ausgewählte Schwellenländer können auch ungedeckte Bestellerkredite – also ohne Hermes-Deckung - gewährt (siehe auch Anzahlungsfinanzierung) oder private Kreditversicherer genutzt werden.
 

Vorteile für Sie als Exporteur:
 

 

Nachteile:
 

 

Machen Sie sich mit den verschiedenen Finanzierungsformen vertraut
 

Immer wichtiger für den Erfolg Ihres Exportgeschäftes wird die Bereitstellung passgenauer Finanzierungskonzepte. Informieren Sie sich daher umfassend auf unserer GoFinex-Seite über die Vor- und Nachteile verschiedener Finanzierungsformen. Nur mit dem nötigen Hintergrundwissen kön­nen Sie mögliche Risiken schon bei der Geschäftsanbahnung erkennen, auf Augenhöhe mit auf die Exportfinanzierung spezialisierten Banken sprechen und schließlich die für Sie attraktivste Finanzierungsform wählen. Unsere Beratungspartner unterstützen Sie gerne.

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[1] Voraussetzung für einen „True Sale“ ist, dass das wirtschaftliche Eigentum an der Forderung auf die Bank übergeht. Voraussetzung dafür ist, dass die Bank das Forderungsausfallrisiko übernimmt, d.h., dass das Bonitätsrisiko ganz überwiegend auf den Käufer übergehen muss. Diese Prüfung und Beurteilung des Einzelfalls obliegt letztendlich dem Wirtschaftsprüfer auf Grundlage der jeweils anwendbaren Bilanzierungsstandards.

[2] Verpflichtung des Exporteurs gegenüber Euler-Hermes zu Informations- und Weisungsbefolgungspflichten und eventueller Freistellung des Bundes von Entschädigungspflichten bei Pflichtverletzung auch nach Auszahlung des Bestellerkredits.

[3] Akzeptanz des Exporteurs gegenüber der kreditgewährenden Bank zu Informationspflichten und Verpflichtung, für bestimmte Kosten und vor allem Schäden bei Obliegenheitsverletzungen insbesondere gegenüber Hermes einzustehen.